Qualité Palliative

Für ein besseres Leben am Ende des Lebens

 

Ein Novum in Basel: Johanniter als erstes Altersheim neu zertifiziert in der Palliativpflege

 

Das Johanniter, eine ökumenische Stiftung, ist im März 2016 als erstes Alters- und Pflegeheim in der Region Basel für seine herausragende Qualität nach den strengen Richtlinien des Schweizerischen Vereins für Qualität in Palliative Care «qualitépalliative» zertifiziert worden, weil es damit vorbildliche Standards in der Palliativ-Pflege für eine möglichst hohe Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner bis zum Tod garantiert. Der Zertifizierungsprozess hat sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit des Personals ausgewirkt und macht das Johanniter noch attraktiver für qualifizierte Fachkräfte im Pflegebereich.

 

Wer in fortgeschrittenem Alter in ein Alters- und Pflegeheim eintritt, möchte möglichst nicht daran erinnert werden: Das Heim ist meist der letzte Wohnort vor dem Tod. Wie lange das Leben im Heim auch immer dauert und wie angenehm die letzten Jahre in bester Obhut und anregender Gesellschaft auch sein mögen: irgendwann ist er da, der Moment, in dem unheilbare oder chronische Krankheiten nicht mehr geheilt werden können und sich der Allgemeinzustand der Menschen stark verschlechtert. In dieser allerletzten Lebensphase können Pflegende und Betreuende einiges falsch - und sehr viel richtig machen.

 

Gut ist nicht gut genug

 

Das Johanniter hat bisher, wie alle anderen Basler Alters- und Pflegeheime auch, seine Bewohnerinnen und Bewohner am Ende des Lebens nach bestem Wissen und Gewissen betreut. Das war schon sehr gut, erschien der Geschäftsleitung und den Stiftungsorganen aber noch nicht als gut genug. Urs Baudendistel, Leiter des Alters- und Pflegeheims Johanniter: «Vor zwei Jahren haben sich unsere Geschäftsleitung und der Stiftungsrat entschieden, sich im Sinne der Lebensqualität am Ende des Lebens auf die Palliativpflege zu spezialisieren und zertifizieren zu lassen. Unser gesamtes Haus war in diesen Prozess involviert – von der Pflege über die Aktivierung bis hin zur Gastronomie. Alle Mitarbeitenden wurden auf dieses Thema hin geschult und sensibilisiert, was die Sicherheit des Handelns mit Bewohnerinnen in dieser letzten Lebensphase sehr gestärkt hat. Regelmässige, strukturierte Überprüfungen (Audits) garantieren auch langfristig die Einhaltung hoher Qualitätsstandards. In der Region Basel sind bisher erst das Palliativzentrum Hildegard in Basel und das Hospiz im Park in Arlesheim zertifiziert worden.

 

Systematische und umfassende Pflege

 

Menschen in der letzten Lebensphase und ihre Angehörigen werden im Johanniter ganzheitlich und nach neuesten Erkenntnissen der Palliativmedizin in allen vier Dimensionen des menschlichen Lebens betreut.

 

Iris Bütler, der Leiterin Pflege und Betreuung, ist das neue, ganzheitliche Pflegekonzept auch ein persönliches Anliegen: «Wir wollen die Bewohnerinnen und Bewohner umfassend betreuen: körperlich, seelisch, sozial und spirituell. Zentral ist dabei das Selbstbestimmungsrecht der Bewohnerinnen und Bewohner. So individuell, wie die Menschen gelebt haben, so individuell wird auch auf sie eingegangen im Johanniter: Individuelle Essenswünsche werden erfüllt. Wer nicht mehr essen mag, muss nicht. Alleinsein oder Gesellschaft haben… Musik hören oder nicht…Spirituell, religiös, konfessionell begleitet werden oder nicht…Berührt oder in Ruhe gelassen werden, noch vieles oder gar nichts mehr wollen…Die Bewohnerinnen und Bewohner bestimmen. Die Angehörigen werden von Anfang an sehr eng in Pflege und Betreuung miteinbezogen.» Nadja Burgherr, Qualitätsbeauftragte im Johanniter: „In Zusammenarbeit mit Hausärzten wird auch für eine wirksame Schmerzlinderung gesorgt. Viele Menschen quälen in der letzten Lebensphase grosse Ängste. Die auf diese Problematik hin geschulten Aktivierungstherapeutinnen haben mit Musik und Klangschalenanwendungen erstaunliche Erfolge erzielt gerade auch bei Menschen, die damit sonst nie in Berührung gekommen sind. Kurz: Was gut tut und zu mehr Lebensqualität führt, wird getan.

Nach neusten Erkenntnissen der Palliativpflege.“

 

Individuelle Betreuung und interdisziplinärer Ansatz im Johanniter

 

Damit eine individuelle Betreuung in der letzten Lebensphase überhaupt möglich ist, müssen Pflegende und Betreuende die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zu einem möglichst frühen Zeitpunkt gut kennen: ihre Biografien, Vorlieben, medizinische Faktoren und auch Antworten auf rechtliche Fragen. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand plötzlich und unerwartet, ist es für Fragen häufig zu spät. Professionelle Palliativpflege setzt deshalb idealerweise bereits beim Heimeintritt der Menschen ein. Damit ist auch eine noch individuellere und bessere Planung der Pflege und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner möglich.

 

Im Hinblick auf die Zertifizierung wurde die Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal, Ärzten, Angehörigen und weiteren Fachpersonen systematisiert und optimiert. Der Zertifizierungsprozess hat im Johanniter viel ausgelöst: einen selbstkritischeren Blick auf die eigene Arbeit, eine noch stärkere Sensibilisierung auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, mehr Sicherheit und einen grösseren Berufsstolz bei allen Mitarbeitenden. Das motiviert: «Ich habe heute aufgrund der gezielten Weiterbildung und unserer neuen Standards die Gewissheit, dass ich es wirklich gut mache, und das ist ein tolles Gefühl», sagen heute viele Pflegefachleute im Johanniter.

Das ermögliche ihnen auch einen besseren und professionelleren Umgang mit emotional belastenden Situationen bei der Pflege von schwerkranken und sterbenden Menschen.

 

Würdige Abschiedsrituale

 

Ziel einer professionellen Palliativpflege ist es, bis zuletzt eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. Und, wenn die Zeit gekommen ist, einen sanften, angst- und schmerzfreien Tod zu ermöglichen. Stirbt ein geliebter Mensch, sind Angehörige in ihrer Trauer häufig überfordert. Das Johanniter lässt Angehörige und Freunde auch nach dem Tod ihrer Lieben nicht allein und ermöglicht den Mitarbeitenden und auch Mitbewohnerinnen und -bewohnern, die viel Zeit mit den Verstorbenen verbracht haben, ein würdiges Abschiednehmen. Zum neuen Konzept gehört auch ein liebevolles Abschiedsritual. Ob mit oder ohne Musik, Singen, Gedichten, Anekdoten, Lebenslauf, mit oder ohne religiöse Prägung – auch hier orientiert sich das Johanniter an der Einzigartigkeit und Individualität der Bewohnerinnen und Bewohner und den Wünschen der Angehörigen. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen und Dankesschreiben von Angehörigen haben das Johanniter im Bewusstsein gestärkt, dass man auf dem richtigen Weg ist.

 

Aus- und Weiterbildungsinvestition

 

Um die hohen Anforderungen für die Zertifizierung erfüllen zu können, hat das Johanniter seit Mitte 2014 alle Mitarbeitenden umfassend geschult und weitergebildet. Das Pflegefachpersonal hat sich dabei auch ein vertieftes Wissen über effiziente Möglichkeiten der Schmerzlinderung angeeignet. „Dadurch verfügen heiminterne Pflegefachkräfte heute über ein sehr fundiertes und wirksames Spezialwissen bei der umfassenden Palliativpflege der Bewohnerinnen und Bewohner“ so Iris Bütler.

 

Das Heim hat den Zertifizierungsprozess und die Weiterbildungsinvestitionen bisher aus eigenen Mitteln finanziert und die vom Kanton vorgegebenen, von den Empfehlungen des BAG abgeleiteten Qualitätsvorgaben proaktiv umgesetzt. Die Pionierrolle, die es in der Nordwestschweiz im Heimbereich in der Palliativpflege einnimmt, soll Anlass geben, um die bisherigen Standards und Finanzierungsmodelle, insbesondere die Pflegetaxen, zu überdenken. Dem Johanniter ist auch die bessere Information der Öffentlichkeit ein grosses Anliegen: Die Palliativpflege wird heute vorwiegend mit Sterben und Tod in Verbindung gebracht – und nicht mit dem, was professionelle Palliativpflege vor allem ausmacht: die Erhaltung einer möglichst hohen Lebensqualität in der letzten Lebensphase.

 

Für das Johanniter ist die Zertifizierung eine wertvolle Bestätigung und Anerkennung seiner Innovationsfreudigkeit und seiner bisherigen Anstrengungen. Das Heim informiert interessierte Privatpersonen gerne über sein Angebot und gibt sein erworbenes Wissen in der Palliativpflege gerne auch an interessierte Fachkreise weiter.

 

Ihre Ansprechpartnerinnen und -partner:

 

  • Urs Baudendistel - Leiter des Alters- und Pflegeheims Johanniter, zu Fragen der Organisations- und Kulturentwicklung sowie Ansprechpartner für Medien und für interessierte Privatpersonen, die einen Eintritt ins Johanniter in Erwägung ziehen

 

 

  • Iris Bütler - Leiterin Pflege&Betreuung, zu Fragen zur fachlichen Umsetzung der Palliative Care, zum Zertifizierungsprozess und für interessiertes Pflegepersonal

 

 

 

Weitergehende überbetriebliche Informationen zur Zertifizierung, zu den Standards der Palliativ- Pflege und zu zertifizierten Betrieben finden Sie auf: www.palliative.ch und auf www.qualitepalliative.ch